Die Nachricht, dass mit dem eigenen Baby etwas nicht stimmt oder dass das Herz des Babys nicht mehr schlägt, trifft Eltern meist völlig unvorbereitet. Für viele fühlt sich dieser Moment unwirklich an. Gespräche mit Ärzten, Untersuchungen und neue medizinische Begriffe können dann schnell überfordern.
Viele Eltern erinnern sich später nur noch bruchstückhaft an diese ersten Stunden oder Tage.
Vielleicht wechseln sich in dieser Zeit ganz unterschiedliche Gefühle ab:
Schock, Traurigkeit, Unglaube, Wut oder auch eine große innere Leere.
All diese Reaktionen sind vollkommen verständlich.
Unterschiedliche Diagnosesituationen
Der Verlust eines Babys kann auf ganz unterschiedliche Weise eintreten. Manchmal wird beim Ultraschall festgestellt, dass das Herz des Babys nicht mehr schlägt. In anderen Fällen zeigt eine pränatale Untersuchung einen schweren Befund, der das Leben des Kindes stark einschränken oder unmöglich machen kann.
Auch Frühgeburten oder schwere Erkrankungen des Babys können dazu führen, dass Eltern sich plötzlich mit dem Abschied von ihrem Kind auseinandersetzen müssen.
Jede dieser Situationen ist anders – und doch stehen Eltern oft vor ähnlichen Fragen und Entscheidungen.
Viele Informationen auf einmal
Nach der Diagnose folgen häufig weitere Gespräche mit Ärzten, Hebammen oder anderen Fachpersonen.
Dabei erhalten Eltern meist viele Informationen auf einmal:
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medizinische Erklärungen
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mögliche Untersuchungen
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Fragen rund um die Geburt
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organisatorische und rechtliche Themen
Auch wenn diese Informationen wichtig sind, kann es schwer sein, in dieser Situation alles aufzunehmen. Viele Eltern empfinden es deshalb als hilfreich, Notizen zu machen oder wichtige Punkte aufzuschreiben, damit sie später noch einmal darauf zurückgreifen können.
Zeit für Entscheidungen
In dieser Situation entsteht oft das Gefühl, schnell Entscheidungen treffen zu müssen.
In vielen Fällen ist jedoch Zeit vorhanden, um sich zu informieren, Fragen zu stellen und Entscheidungen in Ruhe zu treffen – solange keine akuten medizinischen Gründe dagegen sprechen.
Manche Eltern hören in diesem Zusammenhang auch den Hinweis, dass bei einem verstorbenen Baby eine schnelle Geburt notwendig sei. Aus unserer Erfahrung zeigt sich jedoch, dass häufig ausreichend Zeit bleibt, um zunächst zur Ruhe zu kommen, nach Hause zu gehen oder weitere Gespräche zu führen.
Scheut euch nicht, euch Dinge mehrfach erklären zu lassen und um Bedenkzeit zu bitten.
Eigene Wünsche festhalten
Gerade weil in dieser Situation viele Themen gleichzeitig auftauchen, kann es hilfreich sein, die eigenen Gedanken und Wünsche aufzuschreiben.
Manche Eltern erstellen sich eine Art Geburtsplan für ihr Sternenkind. Darin können zum Beispiel Fragen und Wünsche festgehalten werden:
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Wie stellen wir uns die Geburt vor?
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Wer soll uns begleiten?
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Möchten wir unser Baby sehen und halten?
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Welche Erinnerungen möchten wir schaffen?
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Wie wünschen wir uns den Abschied und die Bestattung?
Solche Notizen können helfen, in Gesprächen mit Ärzten oder Hebammen die eigenen Wünsche klarer zu formulieren.
Tipps für Gespräche im Krankenhaus
Gespräche mit Ärzten, Hebammen oder anderen Fachpersonen können in dieser Situation sehr überwältigend sein. Viele Eltern berichten später, dass sie sich nur an Teile dieser Gespräche erinnern.
Einige kleine Dinge können helfen, den Überblick zu behalten:
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Notizen machen – wichtige Informationen oder Fragen aufschreiben
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eine Begleitperson mitnehmen, die ebenfalls zuhört
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nachfragen, wenn etwas unklar ist oder medizinische Begriffe schwer verständlich sind
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um Bedenkzeit bitten, wenn Entscheidungen getroffen werden sollen
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wichtige Informationen noch einmal erklären lassen
Es ist vollkommen in Ordnung, sich Zeit zu nehmen und Fragen mehrfach zu stellen.
Fragen, die Eltern im Krankenhaus stellen können
Gerade in der ersten Zeit tauchen viele Fragen auf. Manche Eltern empfinden es als hilfreich, sich einige davon bereits vorher aufzuschreiben.
Zur Diagnose
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Was genau ist passiert?
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Gibt es eine mögliche Ursache?
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Sind weitere Untersuchungen sinnvoll?
Zur Geburt
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Muss die Geburt eingeleitet werden oder können wir zunächst abwarten?
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Welche Möglichkeiten der Geburt gibt es?
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Welche Schmerzmittel oder Unterstützung sind möglich?
Zum Kennenlernen unseres Babys
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Können wir unser Baby nach der Geburt sehen und halten?
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Wie viel Zeit dürfen wir mit unserem Baby verbringen?
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Können Erinnerungen wie Fotos oder Abdrücke gemacht werden?
Zu organisatorischen Fragen
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Welche Möglichkeiten der Bestattung gibt es?
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Welche rechtlichen Schritte kommen auf uns zu?
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Wer kann uns in dieser Zeit zusätzlich unterstützen?
Wichtig: Diese Liste ist nur eine Orientierung. Ihr dürft jederzeit alle Fragen stellen, die euch wichtig sind !
Unterstützung in dieser Zeit
In dieser ersten Zeit müssen Eltern nicht alleine bleiben.
Neben Ärzten und Hebammen können verschiedene Menschen Unterstützung bieten, zum Beispiel:
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psychosoziale Beratung im Krankenhaus
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Klinikseelsorge
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Hebammen
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Trauerbegleitung
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ehrenamtliche Sternenkindervereine
Auch wir von Sternengeflüster begleiten Familien in dieser schweren Zeit – im Krankenhaus, bei der Geburt oder beim Abschied von ihrem Baby.
Ihr dürft euch Zeit nehmen
Auch wenn sich im ersten Moment vieles überwältigend anfühlt:
Ihr dürft euch Zeit nehmen.
Zeit, um zu verstehen, was passiert ist.
Zeit, um Fragen zu stellen.
Zeit, um Entscheidungen zu treffen.
Und Zeit, um euch auf den Weg mit eurem Baby vorzubereiten.